Expertenmeinung

Medikamenteneinnahme beim RLS

Interview mit Prof. Dr. Magdolna Hornyak, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, Spezielle Schmerztherapie, Erding

Prof. Dr. Magdolna Hornyak

Frau Professor Hornyak, die Symptome des Restless Legs Syndroms können für Patienten eine große Belastung sein. Kann sich die Lebensqualität der Betroffenen mit den heutigen Behandlungsmöglichkeiten auch wieder bessern?

Prof. Magdolna Hornyak: Ja, das ist möglich. Stellen Sie sich vor, wie groß die Beeinträchtigung ist, wenn RLS-Patienten nachts nur stundenweise schlafen und immer wieder aus dem Bett raus müssen, um die Beine in Bewegung zu halten. Gerade für ältere Menschen kann das eine große körperliche und seelische Belastung sein. Die RLS-Symptome erfolgreich zu behandeln, ist wichtig für die physische und psychische Gesundheit und bedeutet einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität. Mit einer medikamentösen Therapie ist dies realisierbar.

Welche Medikamente stehen zur Behandlung des Restless Legs Syndroms zur Verfügung?

Prof. Magdolna Hornyak:  Die Therapie der ersten Wahl sind die so genannten dopaminergen Medikamente, insbesondere die Dopamin-Agonisten. Diese sind seit vielen Jahren in der Behandlung des RestlessLegsSyndroms etabliert. Wenn Patienten aber nicht ausreichend auf diese Medikamente ansprechen oder diese nicht vertragen, haben wir heute eine weitere zugelassene, sehr wirksame Behandlungsmöglichkeit, die Therapie mit einem retardierten Opioid.

Was sollten RLS-Patienten machen, wenn sie Nebenwirkungen ihrer aktuellen Therapie feststellen?

Prof. Magdolna Hornyak: Insgesamt sind die heutigen RLS-Medikamente gut verträglich. Wenn es dennoch zu Nebenwirkungen kommt, ist es wichtig, dass Patienten diese ihrem Arzt mitteilen. Es ist ratsam, sich vorab Notizen zu machen, um später in der Sprechstunde nichts zu vergessen. Es gibt Nebenwirkungen, die zu Beginn einer medikamentösen Behandlung auftreten und sich dann erfahrungsgemäß wieder bessern. Andere werden mit der Zeit nicht besser. Der Arzt wird den Patienten dazu beraten.

Sollte die medikamentöse Behandlung also regelmäßig überprüft werden?

Prof. Magdolna Hornyak: Patienten sollten sich auf jeden Fall an ihren Arzt wenden, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Medikament nicht mehr ausreichend wirkt. Der Arzt kann dann über eine Blutabnahme untersuchen, ob für die Verschlechterung z. B. ein Eisen- oder Vitamin B12-Mangel verantwortlich ist. Außerdem kann er andere mögliche Erkrankungen ausschließen, die das Restless Legs-Syndrom verstärken können. In Abstimmung mit dem Patienten ändert oder passt er gegebenenfalls die Medikation an, so dass die Beschwerden abnehmen.

Können sich Patienten zusätzlich etwas Gutes tun, wenn sie frei verkäufliche Eisentabletten einnehmen?

Prof. Magdolna Hornyak: Bei RLS-Patienten sollte der Eisenwert im Blut regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden, weil es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen einem Eisenmangel und RLS-Beschwerden geben kann. Patienten sollten aber nicht einfach selbst zu Eisentabletten greifen. Wie lange und welches Präparat man nehmen sollte, das hängt von den bestehenden Eisenreserven ab. Durch die Kontrolle erhält der Arzt einen Anhaltspunkt, wie intensiv die Eisensubstitution sein muss und gibt die entsprechende Empfehlung.

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