Medikamente

Welche Medikamente können mir bei RLS helfen?

Die Behandlung des primären RLS

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Behandlung des Restless Legs Syndroms empfehlen, dass Sie die Therapie erhalten, die hinsichtlich des Medikaments und der Dosierung individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasst ist. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die Ihre Beschwerden reduzieren können. Derzeit werden in Deutschland zur Behandlung von RLS vier Gruppen von Wirkstoffen eingesetzt:

  • Levodopa (L-Dopa)

    • Für Patienten mit sporadisch auftretenden Beschwerden oder mit leichtem RLS

  • Dopaminagonisten

    • Für Patienten mit (mittel-)schwerem RLS und andauernden Beschwerden

  • Opioide

    • Alternative für Patienten, die auf die dopaminergen Therapien nicht, nicht mehr ausreichend bzw. gar nicht ansprechen oder die eine dopaminerge Therapie nicht vertragen (hier gibt es mittlerweile eine für die RLS-Therapie zugelassene Medikation).

  • Alternativ werden auch Antiepileptika eingesetzt
    (diese sind aber zur Therapie nicht zugelassen/erprobt)

Levodopa-Präparate und Dopaminagonisten werden auch unter dem Begriff „Dopaminergika“ zusammengefasst.

Therapie mit Levodopa (L-Dopa)

Levodopa kann für die Behandlung von Patienten mit nur gelegentlich auftretenden RLS-Episoden oder mit leichtem bis mittelgradigem RLS (IRLS < 15) angewendet werden. Wann und wie viel des Wirkstoffes Sie als Patient einnehmen sollten, legt Ihr Arzt mit Ihnen gemeinsam fest. Levodopa-Präparate sind in retardierter Form, also mit verzögerter Wirkstofffreigabe, und in nicht-retardierter Form erhältlich.

Therapie mit Dopaminagonisten

Dopaminagonisten sind in Deutschland für das mittelgradig bis schwer ausgeprägte RLS (IRLS ≥ 15) zugelassen. Bei diesem Schweregrad erleben die Patienten unbehandelt täglich die typischen RLS-Symptome  wie unruhige, kribbelnde Beine sowie einen Bewegungsdrang und leiden unter Schlafstörungen. Die Wirkstoffe stehen in nicht-retardierter und retardierter Form (als Pflaster) zur Verfügung.

Ursprünglich wurden Dopaminagonisten zur Behandlung der Parkinson’schen Krankheit entwickelt. In der Therapie von RLS werden sie in einer deutlich geringeren Dosierung eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nebenwirkungen von Dopaminergika sind z.B.

  • Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Schwindel
  • Tagesmüdigkeit
  • Hautreaktionen an der Applikationsstelle (beim Pflaster)

Manche Nebenwirkungen treten nur vorübergehend in den ersten vier Wochen auf. Mitunter bleiben sie aber dauerhaft bestehen, dann kann ein Therapiewechsel notwendig sein. Eine besondere Problematik bei der Therapie speziell mit Levodopa ist die Augmentation. Von Augmentation spricht man, wenn die Beschwerden unter der gleichen Therapie zunehmen, zudem häufiger und auch früher am Tag auftreten und sich auf weitere Körperteile ausweiten.

Selten können Dopaminagonisten auch zu ernstzunehmenden Verhaltensänderungen führen wie

  • Störungen der Impulskontrolle (z.B. Kauf-, Spiel- oder Esssucht)
  • Hypersexualität

Auch in diesen Fällen sollte auf eine andere Behandlung umgestellt werden.

Wo liegen die Grenzen der dopaminergen Therapien?

Das Restless Legs Syndrom ist eine Erkrankung, die sich in der Regel mit zunehmendem Alter verschlimmert. Dadurch ist es nötig, die Behandlung regelmäßig entsprechend anzupassen. Hinzu kommt, dass sich nach anfänglicher guter Wirksamkeit der dopaminergen Therapie die Symptome  schrittweise wieder verstärken können. Gründe dafür sind zum einen, dass die Wirksamkeit der aktuellen Dosierung nachlässt (durch einen Toleranzeffekt, denn der Körper gewöhnt sich an die Dosierung) und zum anderen die oben beschriebene Augmentation auftreten kann.
Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre aktuelle Therapie unzureichend wirksam ist bzw. Sie unter Nebenwirkungen leiden.

Therapie mit Opioiden

Statt mit dopaminergen Therapien kann RLS auch mit retardierten Opioiden behandelt werden. „Retardierte“ Tabletten geben den Wirkstoff nach und nach, über den Tag verteilt, ab. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat diese Therapiemöglichkeit auch in ihre RLS-Leitlinien aufgenommen. Opioide sind demnach dann medizinisch sinnvoll, wenn Sie die Dopaminergika nicht gut vertragen oder diese bei Ihnen nicht (mehr) gut genug wirken.

Bisher gab es jedoch kein Opioid, das für die Behandlung von RLS zugelassen war. Das hat sich Mitte 2014 mit der Zulassung einer opioidhaltigen Therapieoption geändert. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen aus rechtlichen Gründen leider keine weiteren Informationen zu dieser modernen Therapieoption geben dürfen. Ihr Arzt ist hier der richtige Ansprechpartner. Er wird Sie gerne beraten und eine für Sie passende Behandlung finden. 

Sind Sie mit einer opioidhaltigen Therapie gut eingestellt, können Ihre rastlosen Beine zur Ruhe kommen – eine gute Voraussetzung auch für einen erholsamen Schlaf, der Sie wieder aktiver und präsenter am Leben teilnehmen lassen kann. Die Erkrankung kann in den Hintergrund treten und Ihre Gedanken müssen sich nicht mehr allzu oft um RLS drehen.

Im Bereich Schmerz werden Opioide schon lange eingesetzt. Die dort gesammelten Erfahrungen zeigen, dass Patienten in der Regel gut mit dem Medikament zurechtkommen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie bei anderen wirksamen Medikamenten können bei der Therapie mit Opioiden aber auch Nebenwirkungen auftreten. Zu Beginn der Behandlung sind das z.B. kurzfristige Übelkeit und Müdigkeit, die sich in der Regel nach einigen Tagen bessern. Eine weitere Nebenwirkung von Opioiden kann Darmträgheit und Verstopfung sein. Kommt es dazu, ist es wichtig, aktiv etwas für eine bessere Verdauung zu tun. Es gibt aber auch Kombinationspräparate, die neben einem Opioid einen sogenannten Opioid-Gegenspieler enthalten. Sie sind gut verträglich und erhalten darüber hinaus die normale Darmfunktion. Insgesamt sind die Nebenwirkungen von Opioiden hinreichend bekannt und lassen sich meist gut in den Griff bekommen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine für Sie passende Behandlung.

Können Opioide abhängig machen?

Einige Menschen haben Vorbehalte gegenüber einer Therapie mit Opioiden – begründet mit der Sorge, abhängig zu werden. Obwohl diese Sorge meist unnötig ist, kann das Risiko einer Abhängigkeit jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden, so dass es durch den behandelnden Arzt bei jedem Patienten individuell geprüft werden sollte. Ein Abhängigkeitsrisiko besteht gegebenenfalls, wenn Opioide falsch angewendet oder missbraucht werden. 

Langjährige Erfahrungen mit Opioiden in der Schmerztherapie zeigen, dass die Sorge vor psychischer Abhängigkeit gerade bei den modernen Arzneimitteln mit verzögerter Wirkstofffreisetzung eher unbegründet ist. Um die Risiken zu minimieren, sollten Sie die Präparate stets entsprechend der Anweisung Ihres Arztes regelmäßig einnehmen und die Dosierung nicht eigenmächtig verändern!

Auch bezüglich einer Benommenheit und eingeschränkten Wahrnehmung durch Opioide brauchen Sie, wenn Sie auf eine stabile Dosis eingestellt sind, keine Bedenken zu haben.

Die Behandlung des sekundären RLS

Beim sekundären RLS ist eine andere Grunderkrankung oder eine Arzneimittelnebenwirkung Auslöser für die unruhigen Beine. Entsprechend richtet sich die Therapie des sekundären RLS nach diesen Grunderkrankungen und Begleitumständen. Die Behandlung sieht z.B. die Eisengabe bei Eisenmangel vor oder dass ein RLS auslösendes Medikament abgesetzt und durch eine anderes Medikament ersetzt wird. Wird der zugrundeliegende Auslöser behandelt, verschwinden die RLS-Symptome im Normalfall wieder.

Grundformen des RLS

Es werden zwei Grundformen des RLS unterschieden: erblich bedingtes und ursächlich erworbenes RLS.

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